Dienstunfähig durch ein Personalgespräch?

Dienstunfähigkeit als Dienstunfall vor dem GerichtEin Lehrer aus dem Landkreis Götting, der vor 4 Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war, führte seine Dienstunfähigkeit auf ein Gespräch mit einem Dezernenten der Schulbehörde zurück. Denn dieses hatte ihn so traumatisiert, dass er dauerhaft erkrankte. Als die Landesschulbehörde  sich verweigerte das Personalgespräch als Dienstunfall anzusehen, zog der Lehrer vor das Verwaltungsgericht Göttingen.

Was war also genau passiert?

Der Kläger war über mehrere Monate Schulleiter einer Grundschule. Zu dieser Zeit beklagte er sich bereits über andauernde Angriffe von Eltern und Kollegen und wechselte auf eigenen Wunsch an eine  Hauptschule. Die Schulbehörde bot dem Lehrer mehrere Alternativen für seine künftige Beschäftigung an. Nach einigen Monaten besuchte ihn in der Mittagspause der zuständige Dezernent, um nochmal über seine weitere berufliche Zukunft zu sprechen. Nach diesem Gespräch und anschließenden Unterricht meldete sich der Lehrer krank und zog auch seine Bewerbung um eine Schulleiterstelle zurück. Er begab sich in eine medizinisch-psychosomatische Klinik zur Behandlung und wurde als arbeitsunfähig entlassen und in den Ruhestand versetzt.

Kläger sah seine Dienstunfähigkeit im Personalgespräch begründet

Nach Ansicht des Lehrers, der sich als Mobbing-Opfer fühlte, war der Auslöser für seine Erkrankung und die daraus resultierende Dienstunfähigkeit das Gespräch mit dem Dezernenten. Die Art seines Gesprächspartners habe dazu geführt, dass sich der Lehrer physisch und psychisch sehr schlecht fühlte. Außerdem hatte er akute Angst vor einem Herzinfarkt. Daraus entwickelte sich eine schwere depressive Angststörung. Aufgrund dessen beantragte er das Gespräch als Dienstunfall anzuerkennen. Damit hätte er auch Anspruch auf zusätzliche Leistungen aus der Unfallfürsorge.

Was sagte das Gericht zur Anerkennung eines Dienstunfalls  aufgrund eines Gesprächs?

Das Verwaltungsgericht Göttingen sah hingegen keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Gespräch und der Erkrankung des Lehrers. Laut dem Gericht war es nicht ersichtlich, dass das Gespräch in einer unzumutbaren Tonlage und Form geführt wurde. Der Kläger sei außerdem seit längerem gesundheitlich beeinträchtigt gewesen und habe sich auch zwischenzeitlich in psychiatrischer Behandlung befunden. Vermutlich sei das Gespräch einfach der letzte Tropfen auf dem heißen Stein gewesen.